Erfahrungen mit Indie Campers

indie campers erfahrungen

Voll im Trend ist Urlaub mit geliehenem Camper ab der Urlaubsdestination. Der Marktführer Indie Campers hat auf diesem Segment ein unglaubliches Wachstum hingelegt und kommt nach nur 5 Jahren im Geschäft auf eine riesige Flotte von etwa 750 Campern europaweit.

Das Erkennungszeichen aller Camper: sie sind bunt bedruckt. Das Goodie für alle Surfer: man kann sich auch Wetsuits und Surfboards mieten, also im Extremfall sogar nur mit Handgepäck anreisen. Ausserdem bekommt man die Indie Camper Vans in etwa 50 Depots in Europa. Das Depot zum Abholen und Abgeben muss dabei nicht identisch sein.

Das Setup

Drei Jungs mit Flug München (Airport Memmingen) nach Porto, nur Handgepäck und ein Camper der Klasse „Motorhome“ für 5 Nächte.

Die Buchung

Nach einer Anfrage über die Webseite und ein paar emails hin und her war die Buchung perfekt. Kostenpunkt pro Nacht waren 99 €, dazu kam noch ein Service Charge von 45 €. Für den Airport Pickup und die Übergabe ausserhalb der Geschäftszeiten kamen nochmal 79 € dazu. Letzteres klingt zwar viel, ist aber OK aber wenn man bedenkt, dass der abendliche Ryanair-Flug vom Airport Memmingen nach Porto eigentlich immer Verspätung hat und es locker halb zwölf ist, bis man am Treffpunkt ist. Zudem fährt man vom Airport noch etwa eine halbe Stunde ins Depot bei Porto. Ausserdem sinnvoll: die erweiterte Versicherung „Plus“ für 15 € / Tag, sonst steht man mit 2000 € Selbstbeteiligung da. Fenster, Reifen und Schäden am Dach sind damit übrigens nicht abgedeckt. Es gibt aber noch weitere Upgrademöglichkeiten bei der Versicherung.

Der Flug

Hier mussten wir bei Ryanair Lehrgeld zahlen. Nachdem einen Tag vor dem Abflug die Webseite noch down war und der Online Checkin kurz vor der Abfahrt in München scheiterte, weil gerade nicht alle Passnummern vorlagen, traten wir nur mit dem Buchungscode am Allgäu Airport in Memmingen an. Das hiess dann nochmal 55 € pro Nase für einmal Bordkarte ausdrucken. Damit wurde der Billigflug 40 % teurer. Also App downloaden und immer schön Screnshots machen wenn etwas nicht funktioniert, sonst wird es teuer. Selbiges gilt für das Handgepäck, bei dem Ryanair auch gerne mal finanziell zulangt. Ab November 2018 sogar mit neuen Bestimmungen.

Airport Pickup und Fahrzeugübergabe

Trotz später Stunde klappte die Abholung am Flughafen prima und wir fuhren ins Depot. Hier wartete unser Motorhome, ein Fiat Ducato LH2, 2.0 Multijet 115 Diesel, auf uns. Die Formalitäten waren relativ schnell erledigt, dann ging es an die Dokumentation von schon bestehenden Schäden und die Einweisung. Ersteres war, da der Van schon überall ziemlich zerschrammt und verbeult war, ein längeres Unterfangen. Alles musst in ein Formular eingetragen werden und mit dem Handy fotografiert / gefilmt werden.

Der Indie Camper Van

Der Van war praktisch und minimalistisch ausgestattet. Für das untere Bett wurde der Tisch in der Mitte heruntergekurbelt und die seitliche Rückenlehne auf den Tisch gelegt, für das obere Bett wurden Pritschen von der Seite heruntergelappt und verbunden. Wir hatten eine kleine Dusche und eine kleine Chemietoilette, die aber eher was für Notfälle ist (Muss vor Rückgabe selbst geleert werden). Es gibt nicht besonders viel Stauraum, aber OK für drei Jungs mit Handgepäck. Wie das Motorhome aber zu viert mit grossen Koffern und vier Surfboards funktionieren soll, hat sich uns nicht erschlossen.

Indie Camper Van Innenansicht

Indie Camper Van Tisch

Die Küche ist alles andere als ergonomisch und mit den beiden kleinen Gaskartuschen für den mobilen Kocher kommt man nicht weit. Die Kühlbox hat zwar ausreichend Volumen, läuft aber mit der zweiten eingebauten Batterie nur maximal 24 Stunden. Bei längerem Campen ohne Stromanschluss gibt es also schnell kein kaltes Bier mehr. Mit dem 50 Liter Wassertank kommt man mit abspülen, abduschen und kochen auch nicht besonders weit. Es lohnt sich daher, ab und zu auf einem Campingplatz Station zu machen. Und den örtlichen kulinarischen Möglichkeiten eine Chance zu geben.

Surfboard & Wetsuit Verleih

Indie Campers Surfboard Verleih

Für 12,50 € / 7,50 € pro Tag kann man sich ein Surfboard / ein Wetsuit ausleihen. War für uns eine Option, aber wir wollten uns erstmal das Material im Depot anschauen. Leider gab es hier nur Softboards der Decathlon Eigenmarke OLAIAN und eher ausgenudelte Wetsuits. Softboards von OLAIAN haben wir früher schon mal ausprobiert. Die haben zwar genug Volumen damit auch Einsteiger Wellen bekommen. Sobald man darauf aufsteigt, werden sie aber sehr kippelig. Zudem sind die Seitenfinnen bei vielen Modellen vom Winkel her so gerade eingebaut (der Fin Toe ist zu gering), dass man die Surfboards nur sehr schwer turnen kann. Also keine Option. Gut, dass wir eine Alternative hatten und uns in Figuera da Foz Surfboards aus dem Buster Surfboard Testcenter / dem Janga Surfcamp nehmen konnten.

Die Route und Stellplätze

Nazare im Leuchtturm

Nachdem wir erst nach Mitternacht vom Indie Campers Depot loskamen, ging es erstmal für eine Nacht an einen Strand südlich von Porto. Auf dem weiteren Roadtrip dann nach Figuera da Foz, Nazaré, Peniche und Ericeira.

Teilweise standen wir am Strand, auf einer Klippe oder einmal in Ericeira auf dem Campingplatz. Ungeschickt war, dass wir vom Depot keine Tische und Stühle (30 € pro Buchung) mitgenommen hatten. Der Van ist einfach zu klein, um sich wirklich darin aufzuhalten. Andererseits war es uns schleierhaft, wo wir das noch hätten verstauen sollen.

Reisekomfort und Fazit

Grundsätzlich ist es wirklich eng in dem Van und das schon zu dritt. Zu viert mit umfangreichen Gepäck und Surfstuff ist das Vanmodell Motorhome sicher nicht zu empfehlen. Wir empfehlen die Art zu Reisen eher zu zweit / für Pärchen. Seine Stärken hat das Reisen per Van für Explorer, die auf der Suche nach einsamen Surfspots sind, dort auch übernachten wollen und keinen hohen Ansprüche in Sachen Komfort haben. Für alle anderen ist es sinnvoller ein Appartement oder ein Surfcamp zu buchen und die Beweglichkeit über einen Mietwagen zu gewährleisten. Das ist in den meisten Fällen auch die deutlich günstigere Variante. In Portugal sind zudem die Autobahngebühren und natürlich auch die Kosten für den Sprit für den Van teurer als für PKW.

Besonderheiten in Portugal

In Portugal kann man sich im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern (z.B. Frankreich) fast überall zum Campen hinstellen. Klingt nach einem Vorteil, ist es aber leider nicht (mehr) immer. An vielen der schönsten Stellen zum Surfen und Wildcampen in Portugal sind mittlerweile viele Camper und damit viel Müll und menschliche Ausscheidungen (Tipp: letzteres kann man mit Hilfe eines Spatens / einer Schaufel vergraben). Da dort keine Müllabfuhr oder Strandreinigung kommt, kumuliert das seit Jahren und ist zum Beispiel an der Algarve teilweise sehr unappetitlich geworden. Gerade im Süden von Portugal sieht man leider immer öfter die Kehrseite des Camperbooms.

Gutes Karma zum Schluss

Solltet ihr mal mit dem Camper unterwegs sein, bitte beherzigt folgendes:

  • Nehmt euren Müll immer mit
  • Nehmt bei Gelegenheit zusätzlich etwas herumliegenden Müll mit
  • Ermuntert andere Camper gleiches zu tun

Damit könnt ihr euer Karma verbessern. Je besser euer Karma ist ist, desto mehr gute Wellen werden euch suchen und ihr musst es nicht umgekehrt machen.